Demenzfachstelle Caritasverband Vogtland e.V.

Was ist Demenz?

Demenz (lat. dementia: de = fehlend, mens = der Geist) ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Allen Unterformen der Demenz ist gemeinsam, dass sie zu einem Verlust geistiger Funktionen wie Erinnern,

Orientierung, Verstehen, Sprechen oder Verknüpfen von Denkinhalten führen, so dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können.

Obwohl die Demenz im Alter häufiger auftritt, ist sie keine normale Alterserscheinung. Über 1.1 Million Menschen leiden allein in Deutschland an einer Demenzerkrankung. Dazu zählen die Alzheimer-Demenz, die Vaskuläre Demenz, die Frontotemporale Demenz und weitere Demenzformen.

Die Ursachen der Demenzerkrankung sind vielfältig. Die häufigste Ursache einer Demenz ist die Demenz vom Alzheimertyp. Die zweithäufigste Ursache mit zirka 20 Prozent ist die durchblutungsbedingte (vaskuläre) Demenz. Ferner treten auf die Lewy-Körperchen-Demenz, die frontotemporale Demenz (Morbus Pick) und auch die Parkinson-Demenz. Seltene Ursachen für eine Demenz sind Infektionskrankheiten, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Stoffwechselstörungen wie der Vitamin B12-Mangel oder Schilddrüsenfunktionsstörungen, oder auch seltenere neurodegenerative Erkrankungen wie beispielsweise die Chorea Huntington.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Beratungsstellen

Beratungsstellen, auch Fachstellen oder Informationsstellen genannt, informieren und beraten Ratsuchende mit einem pflegebedürftigen Familienmitglied zu allen Themen der häuslichen Versorgung, u.a. auch zum Thema Demenz. Neben der Beratung werden meist noch andere unterstützende Hilfen angeboten, wie Angehörigengesprächskreise, Betreuungsgruppen, Vermittlung von ehrenamtlichen HelferInnen, professionellen Diensten. Träger dieser Beratungsstellen sind oft Wohlfahrtsverbände oder eingetragene Vereine.

 

Demenzstadien

Es werden bei allen Demenzformen im Verlauf verschiedene Erkrankungsstadien unterschieden, die jeweils spezifische Behandlungen der Patienten erfordern. Die Verläufe können sich individuell und je nach Demenzform sehr unterscheiden. Im Frühstadium zeigen sich erste Einschränkungen im Gedächtnis oder auch in der Orientierung. Im mittleren Stadium kommt es zu stärkeren Defiziten in den höheren Hirnfunktionen. Es kann zu körperlichen Symptomen wie unkontrollierter Harn- und Stuhlabgang und zu psychischen Störungen wie Depressionen, Wahnvorstellungen oder Ängsten kommen. Im Endstadium ist der Patient vollkommen pflegebedürftig und Angehörige werden nicht mehr erkannt.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Diagnostik

Zur Diagnostik der Demenz gehören neben einer allgemeinen körperlichen und neurologischen Untersuchung mehrere Untersuchungen, wie beispielsweise eine Bildgebung des Gehirns (MRT, Kernspintomografie oder CT, Computertomografie), die Elektronenzephalografie (EEG) und Blutuntersuchungen, sowie eine Überprüfung der Hirnleistungen mit psychometrischen Testverfahren. Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, weil einige seltenere Demenzformen ursächlich behandelt und geheilt werden können, z.B. Demenzen, die durch Depressionen, Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen oder eine Vitamin-Unterversorgung bedingt sind. Bei nicht heilbaren Demenzen vergrößert sich bei früher Behandlung Seite 9 von 85

die Chance, von den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen und die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu verbessern.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Alzheimer Demenz

Der Nervenarzt Alois Alzheimer hat 1906 erstmals die später nach ihm benannte Krankheit beschrieben. Die genaue Ursache der Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht bekannt. Wenn Alzheimer-Patienten erstmals über Vergesslichkeit klagen, dann ist es im Gehirn bereits schon über Jahre zu schleichenden Veränderungen gekommen, die sowohl die Nervenzellen selber betreffen, als auch ihre Verbindungen untereinander und die dazu notwendigen Botenstoffe. Die Symptome treten auf, weil der Zerfall an Orten des Gehirns beginnt, an denen diese Hirnfunktionen verschaltet werden. Es können die eintreffenden Sinneseindrücke nicht mehr richtig verarbeitet und mit dem bereits Gelernten nicht mehr sicher verknüpft werden.

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Vaskuläre Demenz (durchblutungsbedingt)

Diese Form der Demenz wird durch viele kleine, auch unbemerkte Durchblutungsstörungen des Gehirns verursacht. Dadurch kommt es zu einer Unterbrechung der Durchblutung bestimmter Hirnbereiche und zu einer Funktionsminderung in den Hirnarealen. Das klinische Bild kann sehr unterschiedlich sein. Die Betroffenen können beispielsweise Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, der Orientierung oder der Sprache haben oder auch zusätzlich Lähmungserscheinungen. Risikofaktoren, die die Blutgefäße schädigen, sind: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhte Blutfette, Zuckerkrankheit (Diabetes) und Bluthochdruck.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Frontotemporale Demenz

Frontotemporale Demenzen entstehen durch den Abbau von Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns. Im Gegensatz zur Demenz vom Alzheimertyp kommt es u.a. zu Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens (Antriebshemmung oder Aktivierung) zu Erkrankungsbeginn, so dass die Patienten durch ihr verändertes Verhalten auffallen. Neben den oben beschriebenen Demenzformen gibt es auch Erkrankungen, die mit demenzähnlichen Krankheitszeichen einhergehen. Bei diesen selteneren Erkrankungen wird das Gehirn auf unterschiedliche Art und Weise in ähnlichen Hirnarealen geschädigt.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Medikamentöse Therapie

Medikamentöse Therapie Seit einigen Jahren stehen Medikamente zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zur Verfügung (Antidementiva). Zum einen handelt

es sich um Cholinesterasehemmer, wie Donepezil (Aricept®), Galantamin (Reminyl ®) oder Rivastigmin (Exelon®) zum anderen Memantine (Axura®, Ebixa®). In der näheren Vergangenheit kam es wiederholt zu erbitterten Diskussionen darüber, ob man diese teuren Medikamente überhaupt verordnen sollte. Dabei zeigt die Erfahrung der diese Medikamente verordneten Ärzte, dass viele, wenngleich nicht alle Patienten, gut von den Medikamenten profitieren und der Erkrankungsverlauf verlangsamt werden kann. Für die Patienten und ihre Familien ist das ein wesentlicher Aspekt der Behandlung, auch wenn die Demenz damit nicht heilbar wird. Die medikamentöse Behandlung der vaskulären Demenz entspricht der Behandlung der chronischen Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose) und beinhaltet die Minimierung aller vaskulären Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

Nicht-medikamentöse Therapien

Es gibt eine Vielzahl von nicht-medikamentösen Therapien, die in Abhängigkeit von der Demenzform eingesetzt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Gedächtnistraining ("Gehirnjogging"), Biografiearbeit und Erinnerungspflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Mit diesen Therapien können beispielsweise Bereiche des Verhaltens, Erlebens und der geistigen Fähigkeiten positiv beeinflusst werden. Bei der Ergotherapie (Beschäftigungstherapie) ist das Ziel, die größtmögliche Selbstständigkeit im

Alltagsleben zu erhalten. Die Therapie bei Sprach-, Sprech- oder Stimmstörungen wird "Logopädie" genannt. Insgesamt sollten beim Patienten die Fähigkeiten gefördert werden, die noch am besten erhalten sind.

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Kommunikation mit demenzkranken Menschen

Um mit Demenzkranken zu kommunizieren, ist es notwendig, sich in ihre Wahrnehmung der Welt hineinzuversetzen. Für Demenzkranke sieht die Welt anders aus als früher, weil sie eine wichtige menschliche Wahrnehmungsfähigkeit, die Orientierung, verlieren. Sie können Gegenstände, Situationen und Personen nicht immer sicher in einem größeren Zusammenhang verstehen oder erleben. Aufgrund ihrer Erinnerungsstörungen ist ihnen der Zugriff auf frühere Erlebnisse und Wissen nur noch unvollständig möglich. Wenn der erkrankte Mensch noch in der Lage ist zu erkennen, dass er in einer Situation nicht angemessen reagiert hat, kann das bei ihm Unruhe und Traurigkeit auslösen. Demente Menschen benötigen viel Zeit für alle Reaktionen und Handlungen. Daher ist ein geregelter und vertrauter Tagesablauf sehr wichtig in der Behandlung und Begleitung von Demenzkranken. Jede Änderung, wie neue Orte oder neue Personen, können Angst und Unruhe auslösen. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, fühlen sich oft falsch verstanden, herumkommandiert oder bevormundet, da sie die Entscheidungsgründe der Pflegenden nicht immer verstehen können. Sie haben bis in das fortgeschrittene Stadium die Fähigkeit, Gestik und Mimik zu verstehen. Das Wichtigste im Umgang mit Demenzkranken sind

Geduld und Beständigkeit. Durch Ungeduld seitens der Pflegeperson hat der Betroffene das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Folgen können Unzufriedenheit oder gar Traurigkeit sein. Zum Beispiel: Bei Menschen mit Demenz kommt es vor, dass sie Gegenstände an völlig unangebrachte Plätze legen, wie z.B. Wäsche in den Kühlschrank. Später wissen sie nicht mehr, wohin sie die Gegenstände gelegt haben und halten es auch nicht für möglich, dass sie sich so getäuscht haben könnten. Ein Streitgespräch mit dem an Demenz erkrankten Menschen sollte vermieden werden, auch wenn er eindeutig im Unrecht ist. Da die Wahrnehmung der Situation so anders als beim Gesunden ist, bleibt das Erleben der spezifischen Situation unterschiedlich und unvereinbar. Für den demenzkranken Menschen ist der Streit auch deshalb sehr bedrohlich, weil er nicht auf die Erfahrung zurückgreifen kann, dass der Streit auch wieder vorbei geht, denn Demenzkranke leben fast ausschließlich in der Gegenwart. Zukunft hat für sie keine Bedeutung. Aufgrund ihrer Gedächtnisstörungen können Demenzkranke nur bedingt Neues lernen und sie vergessen Gesagtes schnell, so dass Absprachen nicht verlässlich gelingen können. Durch Beständigkeit ist es aber durchaus möglich, alltägliche Gewohnheiten im Tagesablauf zu festigen. Die Verständigung sollte in einer einfachen Sprache geschehen. Jeder Satz sollte nur eine Information enthalten. Also nicht: "Komm hierher bitte und kämm Dir die Haare" sondern nur "Komm hierher bitte" und erst dann den nächsten Schritt. Wenn die Sprache kaum noch möglich ist, wird es umso wichtiger, die übrigen Sinne anzusprechen. Zugang kann auch über Schmecken, Riechen, Sehen, Hören, Tasten, Bewegung geschaffen werden. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass sich einige Sinne verändern können. Zum Beispiel kann es ein, dass der Geschmackssinn vor allem auf süße Speisen anspricht. Bei allen Reizen sollte darauf geachtet werden, nicht zu viele auf einmal einzusetzen, da sie für den Demenzkranken verwirrend sein können.

Frau Prof. Dr. med. habil. Vjera Holthoff

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